FSJ in Tansania

Jugendfeuerwehrarbeit am Dogodogo Zentrum, Dar es Salaam

Jakob Bosse

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[03-09/03/2020] Über Überflüsse

Also die Schrauben habe ich sortiert, teilsortiert waren sie jedoch schon. Ich weiß nicht wie das ankäme, wenn jemand davon wüsste. Ich weiß aber, dass ich mir wie ein deutscher Pendant vorkomme. Das ist mir aber schnurzpiepe, wenn ich mir einen Nachmittag Zeit nehme, mich gemütlich auf den Staubigen Boden hocke, Musik anschalte und schrauben mit einander vergleiche, diese hierhin, jene Dahin lege.
Ich bringe zwar die Welt nicht weiter, aber ich beruhige meine jedes Mal irritierten Sinne, wenn ich in meine Werkstatt komme, wenn ich dort eine sinnvolle Ordnung errichte und nicht die des Zufalls übernehme. Es wird vermutlich Niemand jemals diese Schrauben verwenden, bevor sie verrosten. Es gibt so vieles Hier, was niemals jemand verwenden wird, weil es einfach im Überschuss da ist. Über 10 Sammelstücke habe ich heute auch aus meiner Werkstatt verdammt. Jede Feuerwehrpumpe auf dieser Welt braucht maximal ein Sammelstück. Warum sind hier 15 davon?
Es ist das Aufräumen der Werkstatt so etwas wie Mentalehygiene. Ich will nicht jedes Mal mich fragen, warum zum Henker werden in Deutschland so viele Sammelstücke, Hosenrohrstücke heißen sie im Fachjargong bezeichnenderweise, weggeschmissen, dass es innerhalb von 10 Jahren 15 bis hierher gefunden haben. Alle sind sie einsatztauglich. (vielleicht nicht in den Augen deutscher Normen).

[02-03/02/2020]: Von Feuerwehr und Englisch

Ich bin zwar schon seit einer gefühlten Ewigkeit in Tansania, es sind etwa zwei Monate, doch erst vor wenigen Wochen habe ich angefangen zu unterrichten. Es hat nach einer langen Zeit - quasi Urlaub eigentlich - das begonnen, weshalb ich hierher gekommen bin. Am neunten Januar hatte ich die erste Jugendfeuerwehrstunde.
Auch hatte ich meine erste Englischstunde und die Vorahnung, dass Englisch zu unterrichten die sehr viel größere Aufgabe sein wird.

Diesen Tag kann man sich in etwa so vorstellen: Vormittags fahre ich zu einem Laden an die Straße runter, besorge Trinkwasser. Als ich zurück komme will Dennis, einer der Organisatoren, Motorradfahren lernen. Ich erkläre ihm also wie das Schalten funktioniert. Irgendwann fährt er mit heulendem Motor im ersten Gang über das Gelände, kommt aber gesund wieder zurück. Ein anderes Mal gräbt er den halben Weg um mit seinem Kavaliersstart, aus der Angst den Motor abzuwürgen. Es war einerseits Angst einflößend, wie er lernte, andererseits war es beeindruckend zu sehen, dass er sich selber nicht die geringste Angst einflößte.
Im Anschluss frittierte ich Pommes und schnippelte einen Salat. Als ich mit dem Essen fertig war stellte ich fest, dass es 20 vor zwei, also vor der Feuerwehrprobe war.

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[01-12/29/2019]: Suchen

Ich habe mich auf eine Suche begeben, glaube ich. Vor nicht allzu langer Zeit dachte ich noch, ich werde ein Abenteuer bestreiten. Dies ist es sicherlich auch, jedoch aus einer anderen als der meinigen Perspektive. Meiner Perspektive kommt der Begriff Suche näher. Mit der Ankunft auf Sansibar begann die Suche nach dem was zwischen Gestern und Morgen ist. Nach mir im Jetzt.
Ich wurde zum Kind, das mit unersättlicher Neugier in die Welt schaut, sich selbst in dieser nicht bewusst sieht. Spätestens seit ich darüber nachdenke, was ich in meinen ersten Bericht schreiben will und soll, begann auch die Suche nach einem hinweisgebenden Titel. Diese Suche kam zwar zu einem etwas einfallslosen Ergebnis, doch bescherte sie mir etliche Gliederungsmöglichkeiten.

Zurück zum Kind

Am ersten Abend mit einem Jungen auf dem Gepäckträger über die hubbeligen Straßen meiner Nachbarschaft gefahren. Bremsen: die kennt hier kein Fahrrad. Meine Sprache, Kiswahili, schien sehr weit weg. Oder das, was die Menschen um mich sprachen, schien weit entfernt davon, was fragmentarisch irgendwo in meinem Kopf, unauffindbar als Kiswahili bezeichnet wurde. Erst später am Abend pustete ich ein wenig Staub aus den Ecken und fand dort ein paar Vokabeln, die teilweise Verständnis erbrachten.

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[00-10/25/2019]: Der (lange) Weg vom Kolonialismus zur Entwicklungshilfe

Bei meinem Bewerbungsgespräch für mein FSJ wurde ich gefragt, ob ich glaube, dass ich mit meinem FSJ, der Jugendfeuerwehrarbeit, etwas Sinnvolles machen würde. Schließlich könne man auch für die 10.000€ zwei Lehrer ein Jahr lang anstellen. Mir wurde klar, dass ich mir nicht einbilden kann, ich könne den Jugendlichen helfen. Statt dessen würde ich mich sogar schuldig machen, das Getriebe der Globalisierung, zwischen dessen Rädern die kleinen Länder zermalmt werden, anzutreiben, da ich bestätige, dass es uns Europäern möglich ist in jeden Winkel der Welt vorzudringen. Eigentlich hätte ich aufstehen sollen und gehen - mich der Erkenntnis dieser Schuld beugen. Stattdessen jedoch blieb ich, schwieg eine kleine Weile, um mich der kalten Ehrlichkeit dieser Frage zu stellen und eine genauso ehrliche, nur weniger kalte Antwort zu finden. Diese stumme, kleine Weile wurde dann belohnt mit der sowohl naheliegenden, als auch eingebildeten Antwort, ich würde ja so etwas wie Aufklärungsarbeit leisten, wenn ich einen Blog schreibe, den ihr lest. Und so habe ich Euch, meine Leserinnen und Leser, ohne Euer Wissen bereits vor Monaten mit in mein Projekt eingebunden. Wenn ich meine Erfahrungen am Dogodogo Zentrum möglichst anschaulich und reflektiert zu Papier (eigentlich zu Bits und Bytes) bringe, so kann ich mein FSJ durchaus rechtfertigen. Natürlich setze ich voraus, dass ihr Leser:innen auch Interesse habt, da es sonst doch wieder nur ein sehr egoistisches Unterfangen, der eigenen geistigen Bereicherung ist. Mit folgender Abhandlung über den Kolonialismus, habe ich mit meiner eigenen Aufklärung schon begonnen, und möchte auch euch nicht vorenthalten, was es im Kolonialismus zu entdecken gibt in der Geschichte, sowie der Gegenwart.

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